Zuvor haben wir uns damit beschäftigt, Geliehenes an den Eigentümer zu retournieren. In der Praxis ist es gar nicht so einfach, jemandem etwas zurückzugeben. Genau wie bei vielen anderen Taten hält uns oft ein unsichtbares Band von dem zurück, was wir für gut und richtig erachten.
Carl Gustav Jung hat im frühen 20. Jahrhundert und bis zu seinem Tod 1961 erforscht, wie uns Unbewusstes beeinflusst, so dass wir ab und an entgegen unseren bewussten Überzeugungen handeln. Er hat den Begriff der „Komplexe“ dafür verwendet und mit psycho-spezifischen Inhalten verfeinert. Ihre Ursache seien einerseits Traumata, andererseits familiäre Traditionen und kulturelle Prägungen aufgrund ähnlicher Erfahrungen in einem Kulturkreis.
Wir würden heute moderner sagen: Traumatische Erfahrungen aus der eigenen und aus der Familienbiografie sowie kollektive Traumata erzeugen unwillkürliche Reaktionen, wenn sie durch äußere Reize „getriggert“ werden. Bestimmt kennen Sie solche „roten Knöpfe“ an sich und an anderen. Schuldgefühle sind Traumatrigger allererster Güte. Insbesondere wenn sie mit dem Schweigen der Scham einhergehen.
In der Sprechstunde begegnen mir immer wieder hartnäckige Fälle von eingebildeter und echter Schuld, die schwer zugänglich ist, weil sie gar nicht benannt werden (darf).
Die Lösung bei Schuld-Komplexen ist wie beim weißen Hasen: Wenn man erst einmal weiß, dass er gar nicht in dem Zylinder war, funktioniert der Trick nicht mehr. Holt man also die vermeintlich schuldhafte Handlung ins Bewusstsein, löst sich der Fluch in Luft auf. Denn dann kann man sich die Situation bei Lichte betrachten und sich fragen, für welche Entscheidung man wirklich die Verantwortung trägt. Und wohin die Schuld tatsächlich gehört.
Denn wo Schuldgefühle sind, ist häufig eine Schuld zu finden – aber nicht immer beim Träger der Gefühle! Übernommene Schuldgefühle sind eine schwere Last. Und sie werden zur Gewohnheit. Sie loszulassen ist eine Übung für Fortgeschrittene. Doch sie lohnt sich!
Gehören Sie auch zu den Leuten, die sich fortwährend entschuldigen? Oder die sich für alles verantwortlich fühlen – ganz gleich, ob sie verantwortlich sind? Verhängen Sie ein inneres STOP-Schild und hören Sie zunächst damit auf, dauernd „Entschuldigung“ zu sagen. Wenn Sie jemandem im Supermarkt den Einkaufswagen in die Hacken gefahren haben, sagen Sie natürlich „Verzeihung“, aber nicht bei jeder alltäglichen Kleinigkeit.
Erwähnen will ich hier noch eine besondere Anfälligkeit für Schuldgefühle: Kinder aus narzisstisch geprägten Familienstrukturen fühlen sich aus Konditionierung schuldig. Denn das narzisstische Elternteil verursacht viel Leid, ohne selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen. Also bleibt die Schuld im Raum stehen. Früher oder später übernimmt sie ein Kind.
Lernen Sie zu unterscheiden zwischen Schuld für einen Schaden, der tatsächlich entstanden ist. Und Verantwortung – also einer Antwort auf die Frage nach dem Warum einer Entscheidung.
Räuchern: MINZE – KLARHEIT IM GEISTE
Heute gehen wir wieder an den Teeschrank. Einzeln oder in Teemischungen ist ganz häufig Pfefferminze zu finden. Die Minze klärt den Geist. Minzöl wird in der Naturheilkunde sogar zum Auflösen von Kopfschmerzen eingesetzt. Diesen klärenden und lösenden Effekt machen wir uns beim Räuchern zunutze.
Text: Petra Weiß
Foto: asphotography / pexels.com
