Manche Erfahrungen wirken lange nach, obwohl das eigentliche Ereignis längst vorbei ist. Manchmal wissen wir genau, was uns beschäftigt. Manchmal zeigen sich die Auswirkungen erst viel später – in Form von seelischen oder körperlichen Beschwerden, in privaten Beziehungen oder in beruflichen Sackgassen.
Insbesondere Erlebnisse aus der Kindheit können die Entwicklung in ein gesundes, freies und selbstbestimmtes Leben nachhaltig beeinträchtigen. Dabei muss ein Ereignis nicht spektakulär oder offensichtlich traumatisch gewesen sein. Entscheidend ist, wie der Mensch die Situation erlebt und verarbeitet hat.
In meiner Arbeit geht es nicht darum, Ihnen eine traumatische Erfahrung „anzudichten“. Vielmehr schauen wir gemeinsam darauf, was Sie heute beschäftigt, wie Ihr Körper und Ihr Nervensystem darauf reagieren und was Sie brauchen, damit Veränderung möglich wird.
Somatic Experiencing® – körperorientierte Traumatherapie
Ich arbeite mit Somatic Experiencing (SE), einem körperorientierten Ansatz zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen.
Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung dessen, was gerade im Körper geschieht. Wir beobachten beispielsweise Anspannung, Impulse, Empfindungen oder Veränderungen in der Atmung und arbeiten damit in kleinen, gut verträglichen Schritten. Gefühle, Gedanken und auch Bilder werden nach und nach integriert.
Dabei wenden wir uns nicht direkt den belastende Ereignissen zu. Wir nähern uns schrittweise, so dass die Dosis der nervlichen Erregung für Sie jederzeit verkraftbar bleibt. Mit Feingefühl, Fachverstand und Erfahrung begleite ich Sie auf einem Weg der kleinen Schritte.
Seit mehr als 15 Jahren ist Somatic Experiencing täglicher Bestandteil meiner Sprechstunde. Aus dieser Zeit kann ich bestätigen, wie hilfreich es oft ist, nicht nur über ein Problem zu sprechen, sondern die körperlichen Reaktionen einzubeziehen und das Nervensystem gezielt zu regulieren.
Was kann sich durch SE verändern?
Somatic Experiencing ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Sie merken, dass Sie auf bestimmte Situationen oder Erinnerungen immer wieder ungewöhnlich stark reagieren. Da Trauma über das Nervensystem auf die Psyche einwirkt und den ganzen Körper beeinflusst, sind die Erscheinungsformen vielfältig.
Mögliche Auswirkungen von Trauma sind beispielsweise:
- Bindungsstörungen und Beziehungsprobleme
- starke innere Anspannung
- das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen
- anhaltende oder überschießende Reaktionen bei Angst, Wut oder Trauer
- Entscheidungambivalenz und Handlungsunfähigkeit
- Lähmungs- oder Ohnmachtsgefühl
- Erinnerungen oder Situationen, die Sie immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen
- Schwierigkeiten mit Selbstregulation und Impulskontrolle
- Erschöpfungszustände und Burnout
- psychosomatische Beschwerden
- körperliche Erkrankungen, z.B. Autoimmunkrankheiten, chronische Hautprobleme, Verdauungsstörungen etc.
Dabei muss keine PTBS-Diagnose vorliegen. Auch wenn Sie nicht wissen, ob früheren Erfahrung ursächlich für Ihre Beschwerden sind, kann eine Entlastung des Nervensystems mit SE lohnenswert sein.
Traumatherapie bringt Sie aus der Vergangenheit ins Jetzt
Ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit lautet: Wir arbeiten immer mit dem, was heute ist.
Selbst wenn die Ursache einer Reaktion lange zurückliegt, zeigt sie sich im gegenwärtigen Erleben: im Körper, in den Gefühlen, in Gedanken und in dem Impuls, auf eine bestimmte Weise zu handeln.
Genau hier setzt Somatic Experiencing an. Wir nehmen wahr, wie Ihr Nervensystem heute auf bestimmte Situationen reagiert, und schaffen Schritt für Schritt mehr Raum zwischen dem auslösenden Reiz und der unwillkürlichen Reaktion.
Dabei wird der Zusammenhang mit dem ursprünglichen Geschehen nicht ausgeblendet. Im Gegenteil: Wenn es für den therapeutischen Prozess sinnvoll ist, stellen wir diesen Bezug behutsam her. So kann das Nervensystem differenzieren lernen zwischen den damaligen Erfahrungen und den heutigen Erlebnissen.
Das Ziel ist nicht, dass Sie künftig emotional unberührt bleiben, ganz gleich was geschieht. Ein ärgerliches, trauriges, erschreckendes Ereignis darf Sie weiterhin ärgern, traurig machen oder erschrecken. Der entscheidende Unterschied ist: Die Situation muss Sie nicht mehr überwältigen.
Sie können wahrnehmen, was geschieht, mit sich verbunden und gleichzeitig handlungsfähig bleiben. Eine Bedrohung, die Sie früher automatisch unter lähmenden Stress gesetzt hätte, verliert dadurch ihre Macht über die Gegenwart.
Wohl dosiert und im sicheren Rahmen
Traumatherapie braucht aus meiner Sicht vor allem eines: Sicherheit.
Sie müssen nichts offenbaren, wozu Sie noch nicht bereit sind. Wir arbeiten behutsam in einem Tempo, das für Sie verträglich ist. Der Zeitpunkt, zu dem wir uns einem schwierigen Thema annähern, wird mit Bedacht gewählt.
Manchmal braucht es zunächst etwas Übung mit SE und Zeit für den Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung. So können Sie Vertrauen in die Methode entwickeln und erfahren, dass Sie auch bei aufkommenden Reaktionen zuverlässig begleitet werden. Erst wenn diese Grundlage vorhanden ist, verringern wir den bislang schützenden Abstand zu einem Thema behutsam.
Dabei geht es nicht darum, Gefühle oder Situationen möglichst schnell zu konfrontieren. Vielmehr schaffen wir die Voraussetzungen dafür, neue Erfahrungen mit dem zu machen, was bisher vermieden werden musste: wahrzunehmen, was geschieht, ohne davon überwältigt zu werden, und nach und nach mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.
So kann aus anfänglicher Vorsicht allmählich innere Sicherheit und Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Selbstregulation entstehen.
Körper, Psyche und Familiensystem gemeinsam betrachten
Somatic Experiencing ist das Herzstück meiner Arbeit. Es muss in meiner Praxis kein isoliertes Verfahren sein.
Sie können SE zur alleinigen Anwendung und ausschließlich nutzen. Wenn das Ihr Wunsch ist, folge ich ihm gerne.
Jedoch bietet die Methodenauswahl in meiner Praxis bei Bedarf ergänzende Therapiemöglichkeiten. Wenn sich beispielsweise im Verlauf einer SE-Sitzung ein familiärer Zusammenhang zeigt, kann dieser in die weitere Arbeit einbezogen werden. Erkenntnisse aus einer Genogrammarbeit oder Aufstellung können umgekehrt später mit körperorientierter Arbeit weiterbearbeitet werden.
Auch andere Methoden werden auf Wunsch einbezogen. Entscheidend ist nicht, eine bestimmte Methode möglichst konsequent anzuwenden, sondern herauszufinden, was für Ihr konkretes Anliegen jetzt und hier hilfreich ist.
Die Methode folgt dem Anliegen – nicht umgekehrt.
Ihr Anliegen ist der Ausgangspunkt
Möglicherweise wissen Sie bereits, dass Sie konkrete traumatische Erfahrungen zu verarbeiten haben. Vielleicht vermuten Sie nur einen vagen Zusammenhang zwischen Ihrer heutigen Situation und früheren Erlebnissen. Oder Sie möchten zunächst verstehen, warum bestimmte Situationen Sie immer wieder so stark aus dem Gleichgewicht bringen.
Sie müssen diese Fragen nicht vor dem ersten Termin beantworten können.
Im kostenlosen Info-Gespräch klären wir zunächst, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen und Ihrem Anliegen passt. Die ausführliche Anamnese dient anschließend dazu, Ihre Situation genauer zu verstehen und gemeinsam zu entscheiden, welches Vorgehen sinnvoll ist.
