Starten wir heute mit geschichtlichen und kulturellen Bezügen: Warum hat eigentlich das Räuchern so eine lange Tradition? In vielen Kulturen rund um den Globus rauchen und räuchern die Menschen, was das Zeug hält. Dabei denken wir an die Friedenspfeife der Indianer (doch, ich sage das Wort jetzt), an das Weihrauchschwenken in der katholischen Kirche und an schamanische Rituale, bei denen der Rauch von Kräutern gezielt zum Einleiten tranceartiger Zustände genutzt wird.
Das Verbrennen hat einen transformatorischen Charakter: Währenddessen vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Aus einer Pflanze entstehen unter Zugabe von Energie Kohlendioxid und Wasser. Die Verbrennungsreste bestehen im Wesentlichen aus Kalzium, Kalium, Phosphor, Magnesium und Schwefel. Ein Lebewesen wurde zu Dampf und Asche. Das ist Alchemie. Sie übt schon seit Jahrhunderten eine Faszination auf den Menschen aus.
Noch in den 1920er Jahren haben Forscher versucht, Gold durch alchemistische Prozesse herzustellen. Leider ohne Erfolg. Schon 1669 hatte der deutsche Alchemist Henning Brand bei so einem Versuch aus Versehen das Element Phosphor entdeckt. Sein Experiment war ein Vorläufer der modernen Chemie.
In der Spagyrik und in der anthroposophischen Heilkunde sind Herstellungstechniken erhalten geblieben, die Metall über das Gießwasser in Pflanzen einbringen oder durch Veraschung die Ursubstanz in eine Arznei umwandeln. Die Firma Wala leitet daraus ihren Namen ab (Wärme – Asche, Licht – Asche). Wir hören solche Begriffe wie Alchemie heute nicht so gerne. Für uns klingt das ein bisschen nach Hexerei. Nicht ohne Grund.
Die Wirkkraft des Räucherns wurde seit Generationen genutzt – und wie vieles andere leider auch missbraucht. Googeln Sie einmal „Räuchern“ oder geben Sie den Begriff in die Suche einer Bilddatenbank ein. Dann sehen Sie, was ich meine.
Aber: Nur weil es Leute gibt, die anderen eine Klinge in den Körper rammen, ist ein Messer nicht per se böse. So ist es auch mit dem Räuchern. Weil es so kraftvoll wirkt, wird es von Menschen mit den unterschiedlichsten Absichten angewendet. Das muss uns nicht schrecken. Wir bleiben einfach mit den lichtvollen Gründen unserer eigenen Räucherkunst verbunden. Und freuen uns über die eigene Transformation, die wir damit sanft unterstützen.
Räuchern: ROSMARIN MACHT AKTIV
Heute schauen wir auf der Suche nach Räucherwerk wieder in den Küchenschrank: Rosmarin eignet sich ganz hervorragend für eine wunderbar würzige Duftnote im Raum. Das Kraut gilt allgemein als aktivierend, durchblutungsfördernd und anregend. Perfekt, um den ein oder anderen guten Vorsatz in die Tat zu bringen.
Text: Petra Weiß
Foto: kristina nikolskaya / pexels.com
