Sind Sie ein Fasten-Profi? Verzichten Sie jedes Jahr auf bestimmte Speisen oder Verhaltensweisen? Oder wagen Sie zum ersten Mal das Abenteuer, Ihre Gewohnheiten probeweise umzustellen? Was wir hier gemeinsam ausprobieren wollen, wird vermutlich sehr anders sein als Sie sich das Fasten bisher vorgestellt haben. Das hat Ihnen der Titel meiner Beitragsreihe schon verraten. Danke, dass Sie sich auf das Experiment einlassen.
Die Fastenzeit ist eine hervorragende Gelegenheit, alte Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und neue auszuprobieren. In diesem uralten kollektiven Feld ist Veränderung angezeigt. Die Natur macht es uns vor: Innerhalb weniger Wochen wird der Winter weichen, die ersten Frühlingsblüher stehen in den Startlöchern. Ihre allgegenwärtige Botschaft heißt: Gleich geht es los! Deshalb sind Umstellungen nun leichter als zu anderen Zeiten im Jahr. Auch der kosmische Schwung des Wassermanns unterstützt unser Vorhaben.
Wann, wenn nicht jetzt?
Vielleicht werden Sie sagen „Das kann ich nicht“. Sie müssen es nicht können. Es reicht, wenn Sie es versuchen. Das Können stellt sich dann vielleicht schneller ein, als Sie es zu hoffen gewagt haben. Oft muss man etwas ein bisschen trainieren bis es klappt.
Wichtig ist, dass Sie von Ihrem Anspruch auf Perfektion Abstand nehmen. Sonst endet jeder gewünschte Wandel in Frust oder Resignation. Genau das wollen wir vermeiden.
Wenn wir glauben, wir müssten ausnahmslos und rund um die Uhr diszipliniert den (eignen oder fremden) Vorgaben folgen, kann das nur in die Hose gehen. Jeder hat einmal einen schwachen Moment. Diese menschliche Eigenart auszublenden, so zu tun, als gäbe es sie nicht, geht nicht nur am Einzelnen, sondern an der Grundstruktur des Menschseins vorbei. Stattdessen brauchen wir eine schlaue Strategie, wie wir damit umgehen.
Kein Gott wäre so ein strenger Richter über die (angeblichen oder tatsächlichen) Verfehlungen beim Essen, wie es die Anhänger bestimmter Ernährungsweisen sind. Daher müssen wir erst mal die Demut haben, uns als Mensch zu akzeptieren. Wir haben einen Plan gefasst. Wir tun einiges dafür, dass er gelingt. Aber wir sind nicht erleuchtet oder in die 5. Dimension aufgestiegen. Unsere Wünsche ans Universum müssen nicht notwendigerweise in Erfüllung gehen. Wir sind Menschen. Wir können und dürfen scheitern. Und es noch einmal versuchen. Widerstehen Sie der Versuchung, grandiose Phantasien für eine machbare Realität zu halten.
Natürlich nehmen wir die Möglichkeit des Scheiterns nicht als Ausrede, um es gar nicht erst zu versuchen. Sie sehen schon – Es gibt hier viele Fasten-Ansätze: Ausreden-Fasten, Perfektion-Fasten, Größenwahn-Fasten, etc.
Eigene Werte leben
Letztlich geht es darum, wie wir sein wollen als Mensch. Dabei sind die klassischen Werte des Christentums gar keine schlechten Wegweiser: Wir lassen von Lüge (Selbstbetrug/Ausreden), Trägheit (gar nicht erst anfangen) und Völlerei (ungebremst Essen) ab. Stattdessen wenden wir uns den Tugenden und positiven Eigenschaften wie der Wahrhaftigkeit, der Tatkraft und des Maßhaltens zu.
Da ich in einer christlich geprägten Kultur aufgewachsen bin, wähle ich diese Beispiele. In anderen Glaubenssystemen gibt es gewiss Vergleichbares. Jeder ist willkommen, sich unserer kleinen Übung hier anzuschließen – nicht aus religiösen Gründen, sondern als Teil eines Bewusstseinsprozesses. Für die Persönlichkeitsentwicklung, wenn Sie so wollen.
Bewährte Tricks
Bei den WeightWatchers habe ich vor mehr als 20 Jahren ein paar Tricks kennengelernt, die mir heute noch dienlich sind – und zwar nicht nur beim Essen:
Die WW lassen drei Mini-Sünden ungesühnt. Dreimal am Tag darf man sich beispielsweise ein Löffelchen Zucker oder Honig im Tee oder Kaffee gönnen, ohne dass er in der täglichen Punkte-Bilanz auftaucht. Ich sage das bewusst mit religiös anmutenden Worten, weil viele Menschen ihre Diätform wie einen Glauben vertreten.
So als wäre unser Gutsein oder der Eintritt ins Himmelreich davon abhängig, dass wir beim Essen alles richtig gemacht haben. Als ob das möglich wäre! Keiner hat alle Ursachen und alle Auswirkungen allen Tuns im Blick.
Manchmal ist ein scheinbarer Fehler eine (nicht ideale) Lösung für ein ganz anderes oder sogar noch viel größeres Problem. Vielleicht gleicht sich jemand mit dem Stück Schokolade eine phasenweise auftretende hormonelle Dysbalance aus – ich sag nur: PMS. Die Schoki-Kompensation ist allemal besser, als wenn man in diesen Tagen (noch) depressiv(er) wird! Ja, es gibt andere Lösungen. Aber sich die bisherige zu versagen, ohne eine neue in petto zu haben, wäre töricht.
In dieser Haltung verwenden wir den X-Tag. Wenn es uns trotz besten Bemühungen einmal nicht gelingt, die Übung zu schaffen, dann streichen wir den Tag einfach und fangen am nächsten Morgen ganz neu an. Wie wenn nichts gewesen ist – ohne Selbstbeschuldigungen, ohne Ausflüchte und ohne Vorwürfe.
Pausentaste?
Den X-Tag kann man auch institutionalisieren: In der christlichen Tradition war es so vorgesehen, die Sonntage beim Fasten auszusparen. Ob Sie diese Regel für sich übernehmen wollen, überlasse ich Ihnen. Für manche ist es wichtig, das Konzept konsequent durchzuhalten.Für andere ist die kleine Auszeit notwendig, damit sie insgesamt am Ball bleiben. Wählen Sie frei, ob Sie das „Programm durchziehen“ bis Ostersamstag. Und seien Sie gnädig mit sich, falls Sie doch einen X-Tag brauchen. Werfen Sie dann nicht alle guten Vorsätze über Bord. Das ist das wichtigste.
In der Gestaltung der Übungen bleiben Sie ebenfalls selbstbestimmt: Sie können die Übungen jeweils eine Woche lang mitmachen und danach zur nächsten Übung wechseln. Oder Sie behalten die erste Übung bei und nehmen die zweite ergänzend hinzu usw.
Selbstvertrauen statt Frust
Mein Tipp ist: Seien Sie nicht zu ehrgeizig. Setzen Sie sich lieber überschaubare und erreichbare Ziele – zumindest am Anfang – und steigern Sie sich bei Bedarf langsam. Das schafft Selbstvertrauen und die Wahrscheinlichkeit wächst, dass Sie an Ostern mit sich zufrieden sein werden.
Von Zielen, die das Gewicht oder den Hüftumfang betreffen, würde ich entschieden abraten. Viel wichtiger ist die Umstellung an sich zu meistern. Die Auswirkungen auf die Figur kommen von alleine. Das ist der große Vorteil vom Achtsamen Speisen – der Körper reguliert sich von selbst. Nicht über Nacht. Aber das können auch andere Methoden nicht leisten. Egal wie vollmundig ihre Versprechungen sind.
Verzichten Sie darauf, sich zu wiegen. Wenn es sein muss, stellen Sie sich zu Beginn einmal und dann nicht mehr vor Ostern auf Ihre Waage. Man wird sonst ganz abhängig von den Zahlen, die da im Display sichtbar sind. Und davon lassen wir uns ganz sicher die Laune nicht verderben.
Zyklusschwankungen, Wassereinlagerungen aus anderen Gründen und vieles mehr hat Einfluss auf den Zeiger an der Waage. Ihr Weh und Wohl darf nicht von diesem Auf und Ab gesteuert sein. Sonst verlieren Sie rasch den Spaß und das Ganze wird verbissen. Nein. Das machen wir nicht.
Und keine Angst: Niemand wird Ihnen vorschreiben, was oder wie viel Sie essen sollen oder nicht dürfen. Ganz im Gegenteil – meine Fastenbegleitung geht mehr in Richtung Intuitives Essen. Das ist eine Kostform, die sich an den natürlichen Bedürfnissen des Menschen anlehnt und individuelle Ausgestaltungen nicht nur zulässt, sondern ausdrücklich verlangt
Folgende Beiträge werden an dem jeweiligen Tag um 8 Uhr für Sie freigeschaltet:
18.02.2026 Aschermittwoch Übung 1
Sonntag, 22.02.2026 Übung 2
Sonntag, 01.03.2026 Übung 3
Sonntag, 08.03.2026 Übung 4
Sonntag, 15.03.2026 Übung 5
Sonntag, 22.03.2026 Übung 6
Sonntag, 29.03.2026 Übung 7
Ostersamstag, 05.04.2026 Abschluss
Nun wünsche ich Ihnen eine erkenntnisreiche Zeit.
Text: Petra Weiß
Foto: Pritam Chowdhuri / pexels.com
