Bevor wir uns in den kommenden 42 Tagen der Veränderung zuwenden, schauen wir zunächst nach den Motiven und nehmen so den Druck aus dem Vorhaben. Von heute bis Samstagabend habe ich daher eine ganz besondere Übung für Sie: Sie werden sich darüber bewusst, dass Sie nichts aber auch gar nichts ändern müssen, um eine liebenswerter oder guter Mensch zu sein. Gar nichts.
Deshalb machen Sie sich bitte Notizen, warum Sie sich eigentlich an der Fasten-Aktion beteiligen wollen. Machen Sie das jetzt sofort. Lesen Sie den Beitrag nicht erst zu Ende. Sie dürfen später nochmal alles verändern. Wichtig ist, dass Sie den Anfangsstand festhalten. Ohne sich von meinen Gedanken dazu beeinflussen zu lassen.
Machen Sie jetzt eine kleine Pause zum Aufschreiben. Lassen Sie sich Zeit. Es hat keine Eile. Bewegen Sie die Frage ruhig ein bisschen in sich. Sie haben vier Tage zur Verfügung, um sich über Ihre Motive klar zu werden. Das ist ein innerer Prozess, keine zu erledigende Aufgabe, die man rasch abhakt.
Oft sind unsere Beweggründe vielfältig und facettenreich. Sie zu prüfen, kann lohnenswert sein. Jeder Motivations-Coach wird Ihnen versichern, dass Umstellungen nur dann erfolgversprechend sind, wenn das „Mindset“ stimmt. Das sehe ich genauso. Allerdings lasse ich einige Motive nicht gelten, weil sie aufgesetzt und oberflächlich sind und uns von den tieferen Gründen unserer Seele fernhalten, wenn wir uns damit zufriedengeben.
Beispiel für Fasten-Gründe
Einige haben bestimmt aufgeschrieben: „Ich will mich gesünder ernähren.“ Was gesund für den Einzelnen bedeutet, halte ich für höchst individuell. Das will ich hier nicht diskutieren, sondern das Vorgehen aufzeigen, wie Sie zu den wesentlichen Motiven gelangen.
Dafür fragen Sie sich: WARUM wollen Sie sich gesünder ernähren? Finden Sie mindestens drei Antworten, die Sie dann weiter vertiefen mit einem erneuten Warum bis Sie auf einer Ebene der Erkenntnis angelangt sind, die nicht banal ist, sondern Ihre Bedürfnisse, Ängste oder Glaubenssätze offenbart.
Ich will mich z.B. gesund ernähren, damit meine Hauterkrankung besser wird oder zumindest die Genesung nicht durch Ernährungsfehler behindert wird. Damit ich mir nichts vorzuwerfen habe, wenn die Haut trotzdem schlechter wird. Um mein schlechtes Gewissen zu besänftigen, ich sei selbst schuld an meiner Krankheit.
Sehen Sie, wohin solch ein Motiv führen kann?
Die Ernährung erhält einen Stellenwert, der ihr nicht gebührt. Leider hören wir immer wieder, wie entscheidend unsere Ernährung für die Gesundheit sei. Studien scheinen das zu belegen. In meinem Beitrag „Hauptsache gesund“ habe ich einiges darüber geschrieben, warum das – im ganzheitlichen Sinne betrachtet – ein Irrtum ist. Heute geht es mir darum, welches Risiko diese Haltung für unsere Fasten-Aktion birgt. Wenn mir die Umstellung nicht dauerhaft oder nicht zu 100 % gelingt, fühle ich mich schuldig. Das ist Perfektionismus at its best. Gepaart mit einem kleinen Anflug von Größenwahn – so als könne ich meine Gesundheit steuern, wenn ich nur ja alles richtig mache. Was fehlt, ist die Demut. Diese Motivation führt zu keinem positiven Ergebnis. Selbst wenn sie vordergründig erst mal in Hinblick auf das Ernährungsprojekt wirkt.
Deshalb lasse ich sie nicht gelten. Es ist wichtig, sich der Hintergründe seiner eigenen Motive bewusst zu werden und nach zweckdienlicheren Beweggründen zu suchen.
„Ich darf auch gesund werden, wenn ich meine Ernährungsweise beibehalte.“ Das wäre in meinem Fall ein hilfreicher Ansatz, um den Druck aus der Fastenzeit zu nehmen.
Ihre Fasten-Motivation
Welche Motivation steht hinter Ihrem Wunsch zu fasten? Auf diese Art: durch achtsames Speisen.
Achtsamkeit an sich ist ein Schulungsweg. Er führt uns heraus aus dem täglichen Huzzle zum Wesentlichen und bestenfalls zu uns selbst. Wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Bedürfnisse: emotional, mental und körperlich.
Werden Sie sich darüber bewusst, was Sie eigentlich wollen. Und seien Sie gewiss: Ihre tiefen inneren Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, innere Freiheit, Selbstachtung und Selbstvertrauen werden nicht von Ihrer Ernährung abhängen. Sie können aber durch die Art, wie Sie mit Ihrer Ernährung umgehen, Ihre Bedürfnisse mehr in den Blick nehmen und bestenfalls eine Wechselwirkung anstoßen, die sich auch auf das Essen positiv auswirkt.
Wählen Sie ein Motiv, dass sich im Tun erfüllen wird. Was ich damit meine?
Machen Sie mit, um mitzumachen. Seien Sie achtsam, um achtsam zu sein. Wenden Sie sich Ihrem Wohlbefinden zu aus Selbstfürsorge. Halten Sie mit Ihren Gewohnheiten inne, der Zäsur zuliebe. Probieren Sie das Achtsame Speisen aus, damit Sie erleben, wie das geht. Lesen Sie die Beiträge, um zu erfahren, welche Tipps ich für Sie parat habe. Jede Agenda hinter diesen praktischen Ansätzen, setzt viel zu viel Druck. Dann gewinnt die Ernährung eine nahezu religiöse Bedeutung. Und so wichtig auch mir das Essen ist – es gibt bedeutsameres im Leben.
Vielleicht möchten Sie sich daran erinnern, was Sie schon alles gemeistert haben. Welche Hürden Sie in Ihrem Leben überwunden und aus welchen Tälern Sie herausgefunden haben. Bestimmt gab es auch in Ihrer Biografie Tiefpunkte, Verluste und Schicksalsschläge. All das haben Sie gemeistert. Und heute geht es Ihnen gut genug, um sich mit Achtsamem Speisen zu befassen. Ist das nicht ein Triumph?! Feiern Sie sich erst einmal an dem Punkt, zu dem Sie bis hierher gelangt sind – bevor Sie sich etwas Neues abverlangen.
Diese Beitragsreihe gibt Ihnen praktische Anregungen dazu, IN WELCHEN SITUATIONEN Sie essen UND WANN Sie NICHT essen, IN WELCHEM MOMENT Sie das Essen unterbrechen oder beenden, WAS Sie essen und WIE Sie das Entscheiden können. Nicht ich sage Ihnen das, sondern Ihr Körper gibt Signale. Ich helfe Ihnen nur, sie zu entschlüsseln. Der Rest ist reine Achtsamkeit.
Text: Petra Weiß
Bild: pixabay / pexels.com
